Im Forum-Theater stoßen wir oft auf Situationen, in denen die Erwartung der "Opfer" die "Täter" zu ihrem Tun drängt. Ideologische Zuschreibungen, unreflektierte Rollenerwartungen, feststehende Vorstellungen, massive Ängste produzieren Bilder, die ein Geschehen zu erzwingen scheinen, das nicht von allen Beteiligten so gewollt wird.

Sofort melden sich Bedenken, dass damit Unrecht und Verbrechen erklärt, entschuldigt werden könnten, das ist aber nicht Ziel und Hintergrund unserer Arbeit: Es geht um das Verstehen von Mechanismen, Klischees, Erwartungen, die im realen Leben differenzierter zu sehen sind.

"....klar benennbare Fronten, die stets einem binären Schema folgten: Frauen*, Männer*, links, rechts, usw. Die "Realität" hatte uns eingeholt, der Wut über hegemoniale und heteronormative Machtstrukturen und deren Verschärfungen wollte Raum gegeben werden. ... wollen wir uns diesen Sicherheiten entziehen und uns das anschauen, was sich jenseits von klaren Benennbarkeiten vollzieht und doch nicht ohne Benennungen
auskommt. In der Diskussion ... kamen wir immer wieder auf eines zurück: DAZWISCHEN - als ein Zustand, als ein Raum, als eine Praxis."
www.fibrig.net www.myspace.com/fibrig fiber. werkstoff für feminismus und popkultur, MAKE A NEW FIBER 08.09.2009

Opferrolle

Das Theater der Unterdrückten kommt aus der Geschichte der Opfer, steht auf ihrer Seite, um die Situation zu verändern.

Das heißt nicht, nur solidarisch zu unterstützen und in die Helfer-Rolle zu gehen,
sondern auch, den Wechsel im Dreieck Täter-Helfer-Opfer zu verstehen und Festlegungen aufzuweichen.
Die Schule hält meistens an den Systemen fest, zementiert sie oft, weil Lehrkräfte den pädagogischen oder gar gestaltpädagogischen Hintergrund nicht kennen und lösen können:

Die Gestalttherapie wechselt durch die drei Rollen

Opfer: Die kindliche Rolle, in der manche Menschen durch unterbrochene oder verhinderte Reifung verharren
Täter: Ob bewusst oder unbewusst, wir sind es immer wieder, oder werden von anderen dazu gemacht.
Helfer: Im Versuch, zu schlichten, zu vermitteln, geraten wir immer wieder in die Mitte, oder werden dabei Opfer ...

Das Theater macht die Mechanismen in unserem Handeln sichtbar