Konflikt-Aufstellung:
Beim Statuen-Theater wird die ausweglose Situation einer konkret erlebten Unterdrückung einer /eines Teilnehmenden mit Hilfe der anderen Seminar-Teilnehmenden wie in einem Stand-Foto dargestellt.
Dies dient meist zur Erarbeitung von Forum-Theater-Szenen, die dann vom Publikum verändert werden sollen.
Augusto Boal, der damit gegen die Militärdiktaturen in südamerikanischen Ländern arbeitete, befreit damit die Fähigkeiten des Publikums, im Theater in den Dialog zu kommen, den Brecht sich schon gewünscht hatte.
Die letzten Verfeinerungen (als Stadtrat von Rio de Janeiro entwickelte er das Legislative Theater für die Anwendung in der Politik) sind auf der Homepage zu finden **http://home.arcor.de/Letsch/****legislat.htm**
Eine Situation kann in verschiedenen Versionen aufgestellt werden:

Mit den primär Beteiligten:
- Die direkten Konflikt-Partner stellen Stellvertretende in ihrer eigenen gesamten Haltung * als Statue dar
- Die Umstehenden besichtigen und kommentieren, interpretieren zu den Motiven
- Mögliche Veränderungspunkte werden gesucht und benannt, die Beteiligten können sich, da selbst nach dem Stellen frei, locker an den Gesprächen beteiligen.

Mit den sekundär Beteiligten: Umstehende, Betroffene ...
- Die vom Konflikt als Außenstehende betroffenen stellen nach ihrer Erinnerung und ihren persönlichen Eindrücken die Situation dar, dann ist der Ablauf wie oben

Mit den tertiär Beteiligten: Lehrkräfte, Erziehende, Verantwortliche, Beratende ...
- Die von den Auswirkungen des Konflikts betroffenen stellen nach ihren Informationen, möglicherweise sehr verschiedene Bilder, dann jeweils Ablauf wie oben
theatermachtpolitik.jpg

Die fünf Schritte zu einer Statue:

[Vorübung: Mit der Hand ein Gesicht magnetisch führen]
1. Die Person [Hand vor Gesicht] nehmen und Einfrieren
2. Die Haltung formen: Fußstellung, Becken, Schultern, Arme, Kopf
3. Das Gesicht im Spiegel darstellen
4. Einen Reaktionspunkt vorgeben
5. Einen Ton, ein Wort, einen Satz zur Wiederholung, wenn der Reaktionspunkt betreten wird.

Grundlagen:
- Statuentheater, Forum-Theater aus dem Theater der Unterdrückten von Augusto Boal
- Familienaufstellungen verschiedener Herkünfte
- Aufstellungen in Einrichtungen, Unternehmen und Betrieben

Erfahrungen:
Seit mehr als 20 Jahren in der Erstellung von Szenen für die Arbeit mit Forum-Theater in den verschiedenen Bereichen der Jugend- und Verbandsarbeit, politischen Bildung und zur Jugend-Partizipation, in Berufs-Aus- und Fortbildungen, Supervision; für Aufführungen aller Publikums-Größen

Grenzen:
zeitliche Konzentration der Teilnehmenden nach Alter und Reflexionsfähigkeit, moralische Eingriffe und Bewertungen durch Verantwortliche
- ca 20 Minuten brauche ich für die Vorstellung des Modells der Konfliktaufstellung im Schulhof, eine Stunde für die Arbeit an einem konkreten "Fall".

Mit Lehrkräften:
Wir erarbeiten beispielhaft mit einer Konfliktaufstellung die generativen Themen der Teilnehmenden zum Umgang mit Konflikt, zu Konkurrenz und Leistungsdruck, wie in der Abbildung eines Konfliktes die Hintergründe der Beteiligten sichtbar gemacht werden können.
Literatur dazu auf
**http://home.arcor.de/Letsch/entwurf.htm**
**http://home.arcor.de/Letsch/fachhoch.htm**
**http://home.arcor.de/Letsch/bewusst.htm**

Ausführliche Literatur:

Theater macht Politik


Simone Odierna/Fritz Letsch:Theater macht Politik. Forumtheater nach Augusto Boal. Ein Werkstattbuch 2006 ISBN 978-3-930830-38-1, 19x25 cm, 206 Seiten Gautinger Protokolle 36 - Institut für Jugendarbeit Gauting

Abstract

Das Forumtheater nach Augusto Boal bringt Veränderungsprozesse in Gang. Es ist Theater, das „Politik macht“. Lernprozesse werden in Gang gesetzt, die kulturelle Bildung öffnet sich politischen Veränderungsprozessen. Die gemeinsame spielerische Suche nach ungewöhnlichen Problemlösungen spricht nicht nur die rationale Seite des Menschen an, sondern auch seine emotionale, seine lustbetonte und setzt somit Impulse zu neuen Denk- und Handlungsweisen frei.
Mittlerweile gibt es eine vielfältige Praxis an Theaterarbeit, die sich auf Boal beruft, es gibt Praxisforschung und wissenschaftliche Beschäftigung mit diesem Thema. Aber es bedarf in mancherlei Hinsicht einer Einordnung, eines Überblicks und einer Handreichung.
Das Werkstattbuch versucht den Kraftfeldern des Theaters der Unter­drückten – und insbesondere des Forumtheaters – zu folgen, den Blick für eigene und politische Veränderungsproszesse zu öffnen und Motivation freizusetzen, mit dieser ungewöhnlichen Theaterform zu arbeiten. Die Erfahrungen aus der Bildungsarbeit und den verschiedensten sozialen und kulturellen Bereichen haben gezeigt, dass der Sprung in die Praxis eine Herausforderung bleibt, den es zu unterstützen gilt. Das Werkstattbuch ist ein Schritt in diese Richtung.
Den Blick nach vorne und unseren Wünschen auf der Spur, hoffen wir mit dem Band das spannende Wechselspiel der Ressourcen aus und in der Praxis weiter anzuregen.
InhaltverzeichnisAlbert Fußmann: Theater macht Politik – Ein Vorwort / Simone Odierna: Editorial / Fritz Letsch, Vivi Balby: Wie alles anfingForumtheater – Aspekte von TheorieAnne Dirnstorfer: Forumtheater als Raum diskursiver Konfliktbearbeitung / Gitta Martens: Forumtheater im öffentlichen Rahmen / Norbert Knitsch: TheaterpraktikerInnen im Interaktionsraum Forumtheater
Jugendarbeit und SchuleJürgen Weintz: Alte und neue Theatertechniken Augusto Boals / Simone Odierna: Forumtheater zur Gewaltprävention im schulischen Rahmen / Eva Heinloth, Uta Lemke: Forumtheater in der Schule / Petra Lemke: Das Forumtheater schafft mehr als eine Wirklichkeit
Forumtheater im GemeinwesenMichael Thonhauser: Partizipative Konfliktlösung im öffentlichen Raum / Lisa Kolb-Mzalouet:Forumtheater und Partizipation / Birgit Fritz: Stadtteilarbeit – Eine Geschichte über beharrliches Scheitern und konsequentes Lernen / Bastian Fritz: Forumtheater bei attac – Medium auf dem Weg zu einer anderen Welt
Kriminalprävention und Theater im „Vollzug“Rüdiger Schilling: Forumtheater und Kriminalprävention – anschauliche Lösungen bevor etwas passiert / Katrin Wolf, Till Baumann, Ken Kupzok, Peter Igelmund: „Es ist einfach mal schön, frei zu sein im Knast!“ – Das Projekt „Hauptdarsteller im eigenen Leben“
Theater-Großprojekte mit dem Mittel des ForumtheatersBernd Müller / Angelika Schlößer: flucht.punkt.theater – Ein internationales Theaterprojekt zur Gewalterfahrung von Kindern und Jugendlichen / Roberto Mazzini: „Konfliktkompetenz“ – Gewalt in der Schule, Theaterarbeit als Möglichkeit, aktiv zu werden / Bettina Brandi: Qualifizierung durch politisch engagierte Theaterarbeit – Ergebnisse aus dem Projekt DOMINO – „Zivilcourage im Rampenlicht“ / Margarete Meixner: Legislatives Theater: Ein Experiment in kreativer Demokratie – Ein interkulturelles Jahresprojekt mit Jugendlichen aus Niederösterreich
Forumtheater - ganz praktischWorkshop mit Augusto Boal Harald Hahn: Probentechniken im Forumtheater / Fritz Letsch: Workshopbeispiele aus der Arbeit am Institut für Jugendarbeit Gauting
AnhangZu den AutorInnen / Gesamtregister der Übungen / Alphabetischer Index -Siehe auch im Internet: www.institutgauting.de